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Synästhetische Perspektiven

Synästhesie stellt überraschende Verbindungen her, zwischen verschiedenen Sinnesqualitäten ebenso wie zwischen mannigfaltigen Gebieten künstlerischer und wissenschaftlicher Arbeit. Diese Verbindungen zu untersuchen war die Motivation der interdisziplinären Veranstaltungsreihe "Synästhetische Perspektiven", die im November 2013 in Hannover im Rahmen von Musik 21 Niedersachen stattfand – im Kino im Sprengel und im Ausstellungsraum Atelier Grammophon.

Diese Seite ist der Dokumentation der Reihe gewidmet. Nach und nach werden hier Mitschnitte oder Transkriptionen aller Vorträge, Bilder und Sounds etc. erscheinen.

Das Programmheft kann hier heruntergeladen werden.

Visuelle Musik

Ein Schwerpunkt der Reihe bildete die theoretische und praktische Beschäftigung mit Visueller Musik, ein filmisches Genre, das sich durch die Übertragung musikalischer Strukturen in bewegtes Bild auszeichnet.

Die Filmemacherin Astrid Hagenguth führte in einem Vortrag in das Thema ein, stellte einige Vertreter wie Oskar Fischinger und Norman McLaren vor und erläuterte deren Arbeitsweisen und Motivationen: Die Entwicklung von höchst individuellen ästhetischen Ausdrucksformen, deren Vokabular aus Formen, Farben und Bewegungen besteht. Sie wusste viel kurioses zu berichten, etwa über Len Lye, der eine Geruchskomposition geschrieben hat und versuchte, seine Wahrnehmung und seine Träume zu beeinflussen, indem er des Nachts Bilder unter seinem Kopfkissen platzierte.

Schülerinnen und Schüler der Luther- und der Tellkampfschule produzierten im Rahmen zweier AGs  Trickfilme, mittels klassischer Zeichentrickverfahren und modernen Computeranimationstechniken.

Schließlich wurden an einem Filmabend herausragende Beispiele der Visuellen Musik aus 80 Jahren Filmgeschichte präsentiert.

Rauminstallation "expanded"

Der Künstler Stefan Roigk kombiniert unterschiedliche Medien zu Gesamtkunstwerken, die sich nicht ohne weiteres einem bestimmten Genre zuordnen lassen. Er zeigte die Rauminstallation "expanded", für die er Alltagsgegenständen in Silikon und Pappmache abformte und analog zu Bearbeitungstechniken der Musique Concrète im Raum arrangierte – ein Potential von musikalisch anmutenden Zeitachsen, die durch Blickrichtung und -bewegungen der Betrachter erschlossen werden können.

Performance "FARB TON"

Die Sängerin und Komponistin Julia Mihály ist selbst Graphem-Farb- und Kalender-Synästhetikerin. Sie entwickelte die Komposition "FARB-TON" für Stimme, Live-Video und Live-Elektronik, bei der sie mittels einer multimedialen Umsetzung des "Gedichtes in Bi-Sprache" von Joachim Ringelnatz die eigene Synästhesie für das Publikum erlebbar machte.

Theorie

Stefan Roigk erläuterte in einem Vortrag die Zusammenhänge zwischen musikalischer und visueller Komposition in Malerei und Skulptur. Er zeigte (etwa anhand der Künstlerinnen Julie Mehretu und Jorinde Voigt), dass die intermediale Übertragung von Parametern und Materialaspekten einen fruchtbaren Bereich künstlerischer Tätigkeit darstellt und zu überzeugenden Ergebnissen führt.

In den Vorträgen von Hinderk Emrich und Pit Noack ging es zunächst einmal darum, synästhetisches Erleben von den auch Nichtsynästhetikern geläufigen "intermodalen Analogien und Assoziationen" abzugrenzen, also Besonderheiten herauszuarbeiten – um dabei auf ein eminent philosophisches Problem zu stoßen: Wahrnehmungserlebnisse sind im ursprünglichsten Sinne des Wortes individuell und subjektiv. Welche Möglichkeiten haben wir also überhaupt, Erlebnisse zu vergleichen? Einig waren sich Emrich und Noack darin, dass Synästhesie zwar etwas Besonderes ist, wir aber durch die Berichte von Synästhetikerinnen und Synästhetikern viel lernen können darüber, wie Wahrnehmung im Allgemeinen funktioniert, wie wir (bei der sog. intermodalen Integration) aus einzelnen Sinnesdaten fortwährend eine als Ganzes wahrgenommene Welt konstituieren.

Dank

Wir danken dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur, der Niedersächsischen Sparkassenstiftung, der Sparkasse Hannover und dem Kulturbüro Hannover für die freundliche Unterstützung!

Dank gilt ausserdem folgenden Personen für die mannigfaltige und großartige Unterstützung des Projektes:
Roswitha Ahmad, Stefan Becker, Margot Behrens, Andreas Brüning, Karsten Fecht, Ines Forsch, Jutta Gebhardt, Regina Ganter, Julian Gröschl, Andrea Gschwendner, Mia Huppert, Amrei Kunze, Stephan Malaka, Stephan Meier, Winfried Noack, Elke Oberheide, Martina Ostmeyer, Tobias Prinz, Eiko Saathoff, Gabi Simon, Jörg Smotlacha, Jutta Tacke